Offensichtlich ist Football eine Ansammlung von religiösen Riten, die den Kampf, das Ei des Lebens vor den Unerbittlichkeiten des bevorstehenden Winters zu schützen, symbolisieren.
(Foto Frank Jellinek)
Die Riten starten zur Herbst-Tagundnachtgleiche und gipfeln am ersten Tag des Neuen Jahres. Die Festivitäten verbindet man mit Blumen wie Rosen, landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Baumwolle, Früchten wie Orangen und selbst Sonnenanbetung und die Beschwichtigung großer Reptilien wie Krokodile werden damit verbunden. In diesen Riten wird das Ei des Lebens durch etwas symbolisiert, das man das OVAL nennt. Es handelt sich dabei um eine aufgepumpte Blase, die von Schweinehaut umhüllt ist.
Die spezielle Form des OVALs wiederholt sich in der Architektur der riesigen outdoor-Kirchen, in denen die Gottesdienste an jedem Sabbat abgehalten werden. Die Gottesdienste finden in Zentren mit größerer Population auch sonntags statt, hier durchgeführt von einer speziell ausgebildeten Priesterschaft. Diese enorm großen Kirchen dominieren jeden College Campus; kein anderes Gebäude weist eine vergleichbare Größe auf.
Sie legen Zeugnis ab von der hohen Spiritualität der Kultur, die sie hervorgebracht hat.Buchstäblich Millionen von Besuchern nehmen an den Sabbatfeiern in diesen open-air Kirchen teil. Unbewusst suchen diese Horden nach einem Ventil für ihre sexuelle Frustration, in Erwartung von gewalttätigem Masochismus und Sadismus, vorgeführt von einer wohltrainierten Priesterschaft junger Männer. Football entsteht offensichtlich aus dem Ödipus Komplex heraus.
Die Liebe zur Mutter dominiert das gesamte Ritual (Notre Dame und Football sind synonym).Die Riten werden auf einem rechteckigen grünen Areal ausgeführt, welches nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet ist. Dieses grüne Areal, welches den Sommer symbolisiert, wird durch ominöse weiße Streifen durchbrochen, die den stechend kalten Schnee des Winters darstellen. Die weißen Streifen wiederholen sich in der zeremoniellen Kleidung der pfeifenden Wächter, die die Gottesdienste durch eine Zeitperiode leiten, die in vier Viertel unterteilt ist. Diese Viertel stehen für die vier Jahreszeiten.
Die Zeremonie beginnt mit farbenfrohen Prozessionen von Musikanten und halb nackten Jungfrauen, die sich in ritualisierten Tänzen bewegen. Das bewegt und erregt die Gottesdienstbesucher derart, dass sie sich von ihren Sitzen erheben und geradezu fieberhaft und in völligem Einklang poetische Worte rufen. Immer wieder werden auch ekstatisch Hymnen vorgetragen, durch die sich wie ein roter Faden das Ödipus Thema zieht: der Wille zu sterben, um die Liebe der Mutter zu erlangen.Die eigentlichen Riten, die von 22 jungen Priestern mit perfektem Körperbau vollzogen werden, erscheinen dem Uneingeweihten vielleicht als chaotischer Konflikt. Einerseits wird das OVAL verletzt durch Tritte, andererseits unternimmt man große Anstrengungen, das Ei zu retten und zu schützen.Wie auch immer, die Prozedur ist im höchsten Grade stilisiert.
Auf jeder Seite stehen 11 junge Männer, die farbenfrohe, schützende Kostüme tragen. Die Gruppe, die sich im so genannten Besitz des OVALs befindet, kommt zu einem eiförmigen huddle zusammen. Man verweilt dort kurz zu Gebet und Meditation und flüstert einander geheime Zahlen zu. Danach ändert man seine Aufstellung in relativer Position zu dem Ei. In einer typischen Formation sieht man sieben Priester auf der Linie, denn sieben ist eine mystische Zahl. Sie ist nicht, wie Jung-Puristen behaupten, den sieben letzten Worten zugeordnet, sondern eigentlich der Läuterung der sieben Todsünden in die sieben Kardinaltugenden der Erziehung.
Der zentral stehende Priester kauert sich über das Ei, beschützt es mit seinen Händen, während über seinem hinteren Körperviertel (back quarters) der Quarterback 'schwebt'. Das Transponieren von back quarters zu Quarterback wird erklärt durch die Adler-Schule. Für den Laien erinnert die kuriose Körperhaltung des Quarterback 'schwebend' über dem zentral stehenden Priester an die kretischen Wurzeln mykenischer Tierdarstellungen in der Kunst, aber diese populärwissenschaftliche Theorie erweist sich als unhaltbar. Denn natürlich ist es so, dass der Quarterback eigentlich die Libido symbolisiert.
Hier werden zwei Instinkte miteinander kombiniert:
a) Eros, der eine noch engere Verbindung anstrebt und
b) der Instinkt alles zu zerstören, was sich Eros in den Weg stellt.
Darüber hinaus konzentriert sich die Freude-Schmerz Erregung der hysterischen Gottesdienstbesucher zur Gänze auf den Libido-Quarterback. Hinter ihm stehen drei Priester, die eine männliche Dreiergruppe bilden. Auf ein bestimmtes Signal hin wird das Ei mit großem Geschick an ein Mitglied der Dreiergruppe weitergegeben. Dieser Priester unternimmt dann große Anstrengungen, das Ei durch schiere Körperkraft über die weißen Linien des Winters zu tragen. Diese Prozedur wiederholt sich auf dem grünen Areal während der vier Viertel des Rituals immer wieder aufs Neue.Am Ende des zweiten Viertels, die Sommersonnenwende implizierend, werden die Prozessionen der Musikanten und der halb nackten Jungfrauen wieder aufgenommen. Sie stellen sich zu Piktogrammen auf, die alphabetische und tierische Fetische darstellen.
Danach führen die Jungfrauen ein höchst kurioses Ritual durch, welches weit mehr Gewandtheit voraussetzt als die früheren phallischen Maibaumrituale, von denen es abzustammen scheint. Jede der Jungfrauen trägt einen Zauberstab aus schimmerndem Metall, den sie auf ihren Fingerspitzen dreht, verspielt in die Luft wirft und mit dem sie ihren Körper in höchst aufwändigen, kreiselnden Bewegungen verflicht.
Die Jungfrauen versehen während des Gottesdienstes eine weitere wichtige Funktion. Diese Funktion betrifft den mystischen Ritus des Durchgangs, der auf das erfolgreiche Tragen des OVALs durch einen jungen Priester über die letzte weiße Linie des Winters erfolgt. Wenn sich der Moment nähert, in welchem dieser Durchgangsritus vollzogen wird, knien sich die Jungfrauen an der Ecke des grünen Rechtecks hin, drücken ihr Gesicht in den Rasen, um dann die Arme flehentlich gen Himmel auszustrecken, betend, dass die Aufrechten sich teilen mögen.
Dieser Ritus ist ganz sicher eine wichtige Zeremonie.Am Ende des vierten Viertels, wieder bei der symbolischen Wintersonnenwende angelangt, erfolgt die letzte Prozession der Musikanten und der Jungfrauen. Die Priester verlassen das grüne Areal, sichtlich erschöpft von den anstrengenden Riten, die Körper und Geist alles abverlangen. Auch die Gottesdienstbesucher verlassen nun die ovale Kirche. Manchen hat der Gottesdienst Kraft gegeben, andere wiederum sind entkräftet vom innerlichen Nachvollzug der Riten. Über dem grünen Areal liegt wieder weihevolle Stille. Bis zum nächsten Sabbat...
******Dieser Text war zum großen Teil so schon fertig im Internet. Ich habe ihn übersetzt und ein paar Dinge hinzugefügt. Ich hoffe nicht, dass sich ein Leser in seinen religiösen Gefühlen verletzt fühlt.