Verwandte Themen: von bat am 13.05.2003

Das Ei fliegt-auch bei uns

American Football aus ganz persönlicher, weiblicher Perspektive.

Fighting Farmers 2004
Fighting Farmers 2004 (Foto 1.AFC Fighting Farmers Montabaur 1992 e.V.)

Hauptsache, er ist glücklich, dachte ich, als meine bessere Hälfte eines schönen Mittwochabends Mitte Juli 2002 wieder im heimischen Wohnzimmer stand. Mein Göttergatte war tropfnass, dreckig und völlig verschwitzt - und strahlte bis über beide Ohren. Mit breitem Grinsen (sowohl innerlich als auch äusserlich) quittierte ich in den darauf folgenden Wochen alle "ACH" und "WEH"-Laute, die ihre Ursache im Protestgeschrei aufgeschreckter Muskeln hatten. Als braves Weibchen lobte ich auch ausführlich die in aller Herrgottsfrühe durchgeführten Joggingrunden (könntest mal genauso eifrig den Müll mitnehmen!) und kämpfte mich mit ihm quer durch Darmstadt, um Footballschuhe und ~hosen zu erwerben.

Wie eine Geschlechtsgenossin mal spontan fragte: "Football? Sind das nicht die mit den engen Hosen???" Ich will damit ein wenig auf die optischen Reize anspielen, meine Damen. Wenn man sich mal von der Ansicht gelöst hat, dass ein Footballmatch mehr ist als zuzugucken, wie sich ständig Knubbel um die vermutete Ballposition bilden, irgend jemand unverständliches Zeug wie "blue twenty-one" plärrt, es bald wieder kracht und andauernd die Leute vom und aufs Spielfeld rennen....könnte man sich Football mal von einem fast schon romantisch zu nennenden Blickwinkel aus betrachten: In ihren Rüstungen toben die Jungs als neuzeitliche Ritter über den Rasen, stramme, haarige Waden, knackige Po´s und breite Schultern... na, besser?

Vor allem erwartet KEINER, dass man irgendwelche Regeln kennt und man darf ganz ungeniert nachfragen. Versuchen Sie das mal mit der Frage nach "Abseits" beim Fussball! Ich würde ein Abseits nicht einmal dann erkennen, wenn ich auf dem Rückweg von der Toilette darüber stolperte! Der Ball: Gegenstand der Begierde von 22 Männern gleichzeitig! Ist Ihnen das auch schon mal passiert? Naja, mir auch nicht, ich habe es höchstens mal bis zu 3 geschafft. Form: oval, lässt sich gut werfen und tragen, obwohl es doch Football heisst. Nun, der Fussball (das schwarzweiße runde Lederdings) wird auch gerne ab und zu mal mit dem Kopf benutzt, man muss sich also nicht über mehr oder minder hirnlose Äusserungen vermeintlicher Fussballstars wundern. Footballer haben wenigstens einen Helm an, eine Sorge weniger.

Bevor es von allen Seiten Proteste hagelt: ja, das Ei (scherzhafte Bezeichnung für den Ball) wird tatsächlich auch gekickt, nicht nur geworfen oder getragen. Man denke an den Peanutscomic, in dem Lucy dem armen Charlie Brown immer den Ball wegzieht und er wie ein Maikäfer auf dem Rücken landet.Das Tor: sieht aus wie ein grosses U am Stiel und irgendwie muss auch da der Ball durch/rein, aber die richtig dicken Punkte gibt es, wenn der Ball in der Endzone ist (getragen oder dort gefangen).

Vorsicht: beim American Football gibt es nach jedem Quarter einen Seitenwechsel, also genau merken als Zuschauer, wann man jubeln oder stöhnen muss. Ist der Ball in der Endzone, nennt man das einen Touchdown. Und wie die Jungs sich darüber freuen können! Aufgrund der unten erwähnten Ausrüstung, die ja vor allem vor übermässigem Körperkontakt schützt, fallen Umarmungen und Küsse nicht so üppig aus, dass manche Frau an sich zweifeln möchte. Vergleichen Sie das doch mal bitte mit Fussball.

Spiel: vier Quarters à 12 Minuten aber!!! Achtung Fussangel für müde Zuschauer: es handelt sich dabei um die effektive Spielzeit. Also richten Sie sich und Ihre Füße schon mal auf 3 Stunden ein....Schiedsrichter: weisse Hosen, schwarzweiss-gestreiftes Trikot, ungefähr sieben an der Zahl, nicht nur einer wie beim Fussball. Wie soll auch einer alleine bei dem Gewimmel durchblicken? "Zähle-die-Beine-und-teile-die-Anzahl-durch-zwei" führt wohl kaum zum gewünschten Erfolg. Aber genau wie beim Fussball denkt jede Mannschaft, er habe zu Gunsten der anderen entschieden.

Ausrüstung: besteht nicht nur aus dem oben erwähnten Helm sondern auch aus der "Rüstung": dem Shoulder-Pad um den Oberkörper herum, Handschuhe, ein besonderer Schutz für die Familienjuwelen (freut die Damenwelt besonders) und ein Schutz fürs zarte Schienbein (optional, macht sich aber gut).

Also, so schlimm ist es gar nicht. Und auf gute Stimmung ist praktisch schon Verlass. Irgendwas passiert immer, kein Vergleich mit lustlosem Rundballgetrete.Sie sehen, an Football scheint was dran zu sein, wenn jemand, der normalerweise hämisch fragt, ob es vor dem Krieg auch schon so war, dass sich 22 erwachsene Männer einen einzigen Ball teilen mussten, so über eine Ballsportart schreibt. Liegt vielleicht auch an einer "Linsentrübung", da mein Göttergatte bei denen dabei ist, die da über´n Acker toben.

Und ist der Footballer glücklich, freut sich die Frau.

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