Wenn ein Männchen auf der Suche nach einem Weibchen ist, sind im Tierreich eine stolzgeschwellte Brust, gespreizte Federn, bunte Farben und üppige Duftmarken im Spiel. Kurz: auffälliges Verhalten.
(Foto Frank Jellinek)
Man(n) muss sich irgendwie hervortun, damit die Dame des Herzens ihn bemerkt bzw. bemerken will. Ehrliche Männer sagen: das ist beim Menschen nicht anders. Ehrliche Damen pflichten dem zumindest gedanklich bei. Auch wenn wir nie nie nie zugäben, dass es uns gefiele, wenn ein Mann solcherlei Anstrengungen für uns unternähme.
Vor ein paar tausend Jahren, als hier in Mitteleuropa noch alles Met trinkend auf Bärenfellen in der Höhle lag, hatten es die Herren der Schöpfung etwas leichter, der holden Weiblichkeit zu imponieren: Mit einem gegrunzten "Ngg fangen grosses Tier!!!" schleifte Ngg, verschwitzt und dreckig, etwas grosses, totes und pelziges in die Höhle. Anschliessend streckte er seine Arme triumphierend (und testosteronverteilend) in die Höhe. Programmgemäss fiel ihm dann sein Weibchen begeistert um den Hals.
Meine Damen, stellen Sie sich bitte vor, Ihr Gefährte präsentierte Ihnen mit solchen oder ähnlichen Worten und Gesten in der Küche 5 Grillkoteletts! Der arme Kerl erwartet ein Küsschen, ein Lob sogar - und erhält ein hysterisch lachendes, einnässendes Weibchen. Seien Sie lieber froh, dass Ihnen das Ausweiden und Abbalgen des toten Tiers erspart blieb, denn das war damals Frauenarbeit.
Um das Herz der Dame zu erobern, muss sich der Mann nun etwas anderes einfallen lassen. Was aber tun, wenn er nicht das grüne Abitur (Jagdschein) hat? Sofern er noch nicht Golf spielt sondern noch Sex hat, legt er sich klugerweise eine andere Strategie zurecht. Dabei kann er sich, da das Prinzip gleich zu sein scheint, durchaus Anregungen im Tierreich oder bei unseren Vorfahren holen. Begleiten wir ein Männchen doch bei der Strategiefindung durch Assoziieren:- Üppige Duftmarken...Gesunder Männerschweiss...eine Sportart!! Aha! Klappt doch!
Moment, da war doch noch was? Im Internet stösst das clevere Männchen darauf, dass die Gladiatoren des alten Rom nach dem Kampf in Olivenöl badeten und dass dieses Öl anschliessend mit allem Dreck und Speck in Flaschen gefüllt und an die Damen der Gesellschaft verkauft wurde - die sich mit diesem 'betörenden' Öl einrieben. Doch! Auch hier: Grundidee nicht schlecht (Weibchen schätzt den Duft des Männchens), Durchführung in der Form heute jedoch schwierig bis unmöglich.- Stolzgeschwellte Brust...betonte Körperformen, gespreizte Federn...Indianer? Nee. Ritterhelme!! Ha! Mittelalter! Minnesang! Und wer keine wohlfeilen, gedrechselten Worte anzubieten hatte, beeindruckte die Damenwelt bei den Ritterspielen.
Man kann sich gut vorstellen, welch hohe Temperaturen nach einem Turnier in einer Rüstung (betonte Formen) herrschten. Wow, müssen das Testosteronwolken gewesen sein, die den Damen entgegenschlugen, wenn die Jungs das Visier öffneten oder gar den Helm abnahmen! - Bunte Farben...da scheidet Tennis mangels "bunt" schon mal aus. Ohne sich komplett zum Affen zu machen, können es Männer im Sport nur bei Mannschaftssportarten so richtig krachen lassen. Ungekröntes Beispiel: die Teamfarben der Frankfurt Galaxy (orange und lila). Ist schon interessant: in diese Farben gekleidet würde kaum eine Frau einen Mann ernst nehmen, aber mit Rüstung und Helm (bunte Farben, betonte Formen, Ritter) und nach dem Spiel mit allem Dreck und Speck (Gladiatoren, Testosteron) werden die Männchen bereitwilligst geherzt und geküsst. Hat sich über die Jahrtausende doch nicht so viel geändert.
Nun, eigentlich hat es sich sogar zum besseren gewendet: wir müssen die erlegte Beute nicht mehr mühsam verarbeiten, man präsentiert sie uns sozusagen als Morgengabe schon küchenfertig zerlegt. Und so eine verschwitzte Rüstung hält, wenn sie zum Auslüften auf dem Balkon steht, die Kater der Umgebung vom Fressnapf der eigenen Katze fern.