Rituale

Was macht man nicht alles, um Footballgott und Glücksgöttin für den eigenen Verein günstig zu stimmen. Es gibt die vielfältigsten Rituale auf Seiten der Fans und der Spieler, die genau eingehalten werden wollen.

Denn wer weiÃ? schon so genau, warum ein Tight End mal ungehindert mit dem Ei die Endzone erreicht und ein anderes Mal kurz davor umknickt und fällt? Warum der Kicker mal aus 43 Yards Entfernung ein Fieldgoal trifft und mal aus der Entfernung von 20 Yards daneben schieÃ?t? Völlig klar: Irgendein Ritual wurde entweder gar nicht oder nicht ordnungsgemäÃ? durchgeführt, so winzig das Detail auch sein mag. Und so bescheuert es sich für AuÃ?enstehende anhören mag. Die schönsten Rituale habe ich für den geneigten Leser hier zusammengetragen.

Fan–Rituale:

– Trikotsatz der gegnerischen Mannschaft auf dem Boden ausbreiten und darüber hinweg trampeln.

– Die Sachen anziehen, die man bei einem bedeutsamen Spiel der Lieblingsmannschaft getragen hat, z.B. das, was man am Tag des Aufstiegs in die nächst höhere Spielklasse anhatte. Und selbst wenn es im Juli bei brütender Hitze Achselshirt und Shorts waren, im nächsten April bei maximal 15 Grad Lufttemperatur und strömenden Regen werden diese Sachen wieder angezogen. Allenfalls wird eine (dünne) Jacke offen darüber getragen. Diese „Kluft“ gilt ausschlieÃ?lich für Heimspiele. Ansonsten wird diese Kleidung zu keinem Anlass mehr getragen, schon gar nicht zu einem Auswärtsspiel. Sollten diese Kleidungsstücke aus welchem Grund auch immer nicht greifbar sein, bleibt der richtige Fan lieber zu Hause, als durch das Tragen falscher Kleidung leichtsinnigerweise den Sieg der Mannschaft zu gefährden.

– Im Rucksack des Fans befinden sich vielleicht folgende überlebensnotwendige Dinge, die für den Gewinn der eigenen Mannschaft von entscheidender Bedeutung sind: unterschriebene Vereinswimpel, Miniaturplastikausgaben der Vince–Lombardi–Trophy (Super Bowl Trophäe), eine Kleinbild–Filmdose gefüllt mit Erde des Heimstadions.

– Richtige Fans nehmen immer den gleichen Weg zur gleichen Zeit zum Stadion. Komme, was da wolle (Uhr verlegt, Gegenwind, verlaufen, Erdrutsch, glühende Lava usw.).– Ein Imbiss wird stets zur gleichen Zeit an der gleichen Imbissbude zu sich genommen. Es handelt sich dabei jedes Mal um die gleiche Spezialität, also: einmal Currywurst, immer Currywurst!

– Man begibt sich auch immer mit den selben Leuten zum Spiel.

– Im Stadion steht man immer am selben Platz.

Spieler–Rituale:

– Nicht rasieren, wenn man beim vorherigen (gewonnenen) Spiel unrasiert war. Führt häufig zu Klagen beim Nachwuchs, der nicht mehr mit Papa schmusen will, weil das so pikst.

– Freundinnen/Frauen zur Anwesenheit verdonnern. Oder dazu nötigen, die Fanmütze zu tragen – wenn es sein muss, auch auf der Intensivstation, im KreiÃ?saal oder im OP.– Verletzte Spieler übernehmen andere Aufgaben, als Ratschläge erteilend in der Teamzone rumzunerven und reiÃ?en sich plötzlich um Aufgaben wie „Eintritt kassieren“ oder „Getränkeverkauf“. Begründung: Als ICH das letztes Mal gemacht habe, haben wir gewonnen!

– Wichtige persönliche Gegenstände werden immer dem gleichen Helferlein anvertraut. Die Bandbreite reicht dabei von Portemonnaie und Schlüssel bis hin zu allerneuestem Fotohandy–Modell und Ehering.

– In der Kabine immer auf dem gleichen Platz sitzen. Und damit immer mit den gleichen Leuten zusammen.Die Sage geht auch von mindestens 12 Jahre alten „Glücksunterhosen“ Marke „Beleidigung des guten Geschmacks“ (Man würde damit noch das Werkzeug abwischen, nachdem man den fälligen Reifenwechsel am Auto durchgeführt hat. Aber nicht ohne sich bei dem Werkzeug dafür zu entschuldigen). In die gleiche Kategorie fallen folgende „Ausrüstungsgegenstände“, mit denen so mancher Spieler bestimmt nicht erwischt werden möchte. Allerdings entgeht dem wachsamen Auge anwesender Damen so schnell nix! Wir bemerkten diese Highlights bei Farmers und ihren Gästen:– Ein Spieler hatte sich für ein Turnhöschen (scheinbar GröÃ?e 164) aus rotem Satin entschieden! Obenrum präsentierte er ein mit raffiniert eingelassenen Gras– und Schlammflecken versehenes T–Shirt, das irgendwann einmal weiÃ? gewesen sein muss. Nun, die Kontinente waren auch irgendwann einmal eine einzige Landmasse.

– Einmal wurde ein Spieler gesichtet, der zu einem unschuldigen schwarzen T–Shirt eine sehr gewagte dünne weiÃ?e five–pocket Hose trug, in der nicht alles seinen Platz fand! Olàlà! – Als Abschluss und Höhepunkt das „bräutliche“ Modell ganz in weiÃ?: Der junge Mann trug Badeschlappen aus Hart–PVC zu weiÃ?en Frotteesocken. Farblich abgestimmt dazu hatte er ein älteres Jogginghosenmodell der Création Loch–an–Loch–und–hält–doch gewählt. Obenrum präsentierte er ein weiÃ?es, langärmeliges Shirt im derzeit sehr beliebten Wurst–in–Pelle–Look, welches mit verwegenen Verfärbungen im Brustbereich prunkte. Seine Haare wurden von einem weiÃ?en Käppi (skullcap) selbstfettend in Form gehalten.

An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle Mannequins, die die chicen Creationen auf dem Laufsteg zwischen Kuchenbüffet, Getränkepavillon und Imbissbude präsentierten!Man mag sich nicht mal vorstellen, in welchen seelischen Orkus die Spieler geraten, wenn der Hund die Glücksunterhose zerfetzt oder die Katze selbige zum Nestbau für den neuesten Wurf Kätzchen heranzieht! Oder die Schwiegermutter dieses gute Stück zum Polieren der Fensterbank mit Marmorpolitur benutzt, nachdem sie zu diesem Zweck ausdrücklich um einen alten Lappen gebeten hat. Und, um Himmels Willen, was passiert, wenn die eigene Mannschaft dann doch verloren hat? Na, ganz einfach, dann pikst Papa endlich nicht mehr, er kann sich ja guten Gewissens rasieren!



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