Beim ersten Heimspiel gibts einen Anpfiff der besonderen Art (Foto 1.AFC Fighting Farmers Montabaur 1992 e.V.)
Stellen Sie sich folgendes vor: Es ist Samstagnachmittag, 15 Uhr, die Sonne scheint, der Helm sitzt und Sie freuen sich im Stadion der Wiroth Camels auf deren Heimspiel gegen die Steinhahn Donkeys. Mit einem kühlen Getränk in der Hand, die Kinder unter qualifizierter Aufsicht in der Hüpfburg wissend, schweift Ihr Auge erwartungsvoll über die feschen Cheerleader. Von dort aus weiter über das Publikum zum Spielfeld mit den soeben einlaufenden Mannschaften und den am Spielfeldrand auf- und abschreitenden Trainern. Und weiter passiert nichts.
Die Frage des Tages lautet: Wieso nicht? Der aufmerksame Leser hat es schon erraten: Es fehlen die Schiedsrichter! Die sind mit ihren schwarz-weiß gestreiften Oberteilen so auffällig angezogen, dass sie auch bei einem Schwenk mit dem inneren Auge nicht unentdeckt bleiben. Bei allem Wohlwollen der Footballteams, Chants der Cheerleader und Jubel des Publikums, ohne die dritte Mannschaft, die Schiedsrichter, geht es nicht.
Die Tatsache, dass meine bessere Hälfte nun auch so ein (von mir liebevoll genanntes) Zebra ist, hat meinen Blick in Bezug auf die hohe Kunst der Schiedsrichterei selbstverständlich geschärft.Während eines Footballspiels tummeln sich irgendwo zwischen vier und sieben Schiedsrichter mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen auf dem Spielfeld. Das ist dann auch der Moment, in dem man als Ehefrau eines solchen über Sprüche wie Schiri, wir wissen wo Dein Auto steht etwas leichter hinweg sehen kann.
Was machen die eigentlich auf dem Feld und wie heißen sie? Ein grober Überblick: Wie im richtigen Leben auch, ist einer der Chef: der mit der weißen Mütze. Auch whitehead genannt. Die anderen tragen alle schwarze Mützen. So weit, so gut. Der Referee (weiße Mütze) hat die allgemeine Oberaufsicht über das Spiel. Er entscheidet zum Beispiel über die Vergabe von Punkten, lässt Strafen durchführen und steht im Kontakt zu den Cheftrainern. Auch wenn er manchmal Armbewegungen macht die aussehen wie:Hier bauen wir den Staudamm hin, haben diese Signale durchaus ihre Bedeutung für das Spiel. Der aufmerksame Fan weiß, dass er erst dann einen Touchdown für sein Team bejubeln kann, wenn auch der whitehead beide Hände hoch in die Luft erhoben hat. Für die, die es genauer wissen möchten: es gibt mindestens 45 unterschiedliche Signale!
Der nächste in der Reihe ist der Umpire. Er hat unter anderem die Aufsicht über die Ausrüstung der Spieler. Spätestens ihm fallen die Stacheln am Helm und die Hufeisen in den Handschuhen auf. Mit Argusaugen überwacht er das regelkonforme Spiel auf der Offense-Line. Er muss ebenfalls dafür sorgen, dass die Offense-Spieler beim Durchzählen nur bis 11 kommen.
Weiter zum Linesman. Er hat seine Position auf der Seite der Gastmannschaft und beaufsichtigt die Chaincrew und denjenigen mit dem Downmarker. Der Downmarker ist eine Art Stock, an dessen oberen Ende die Zahlen von eins bis vier angebracht werden (es gibt vier Versuche, die zehn Yards zu schaffen). Hartnäckigen Gerüchten zum Trotz hat das nichts damit zu tun, dass Footballer nicht bis vier zählen könnten. Es geht einfach darum, dass man bei Strafen, die zu einer Wiederholung des Spielzugs führen, nicht den Überblick verliert. Der Linesman legt auf seiner Seite des Spielfeldes auch fest, wo der nächste Versuch gestartet wird, also entweder dort, wo ein Spieler mit dem Ball gestoppt oder ins Aus gedrängt wurde.
Kommen wir nun zum Linejudge. Er ist auf der Seite der Heimmannschaft positioniert. Wie der Linesman auch legt er auf seiner Seite fest, wo der nächste Versuch gestartet wird. In einer 5er Schiedsrichter-Crew ist er für das Aufschreiben von Strafen verantwortlich.
Der Backjudge wiederum ist dafür verantwortlich, dass die Defense nicht plötzlich mit 22 Leuten auf dem Spielfeld steht (muss also laut Stellenbeschreibung bis 11 zählen können). Außerdem trägt er die Verantwortung für die korrekte Einhaltung der Spielzeit und achtet fürsorglich auf die Receiver.Bei höherklassigen Spielbegegnungen werden zu den genannten fünf Schiedsrichtern noch ein Field- und ein Sidejudge benötigt.
Aber abgesehen von diesen ziemlich technischen Dingen, die sich übrigens genauer und trockener im Regelbuch nachlesen lassen (an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an meinen Göttergatten für die Übersetzungshilfe), müssen Schiedsrichter noch ganz andere Sachen einfach draufhaben.
1.Man darf sich als Schiedsrichter nicht von Trainern beeindrucken lassen, die den Eindruck erwecken, als streichelten sie weiße Katzen und ließen unglückliche Schiris nach Fehlentscheidungen (sprich: alles gegen die eigene Mannschaft) am Ende des Spiels kidnappen und ins Haiaquarium schubsen.
2.Wenn ein Riese von einem Footballer, der gut und gerne auf einer separaten Landkarte erscheinen und in 12km Umkreis alle Kompassnadeln verwirren könnte, wutschnaubend vor dem Schiri steht, darf sich nicht plötzlich eine streng riechende Pfütze zu Füßen des Schiris bilden. Immer daran denken, dass es oft solche Typen sind, die sich geistig in 3jährige verwandeln, wenn sich in der Kabine jemand auf ihren Stammplatz gesetzt hat.
3.Stets im Hinterkopf behalten, dass man gerüchteweise von Spielern gehört hat, die sich durch das Anlegen von Trikot und Helm für die Dauer des Spiels geistig einen anderen Ast auf dem Baum der Evolution suchen. Und sich dort bequem mit den Füßen festhalten können (Mal scharf nachdenken, welche der nächsten Verwandten des Menschen das auch können).
Und, ganz ganz wichtig:4.Nicht mal daran denken, eine nicht mehr so ganz saubere oder interessant gemusterte Unterhose unter der weißen Hose der Schiedsrichteruniform zu tragen. Wer auf Beifall der Kategorie hämisch/anzüglich verzichten kann, sieht ebenfalls davon ab, einen Tanga zu tragen.